Andacht

Alles Liebe oder was!

Schreiben Sie eigentlich noch Briefe?
Ich meine die veraltete Art der Kommunikation mit Papier und Füllfederhalter. Wenn der Adressat so ein handgemachtes Schriftstück vor Augen hat, dann sind das nicht nur nostalgische Gefühle, da entsteht Beziehungswärme.
Die Kirchgemeinde Lindenau-Plagwitz hat vor wenigen Tagen sogar einen Liebesbrief bekommen. Absender: GOTT. Ich will Ihnen den Brief nicht vorenthalten. Schließlich ist er an Sie gerichtet und an alle, die mit uns Christen in den Stadtteilen leben.

»Hört, ihr von der Gemeinde in Lindenau- Plagwitz, widersprecht mir, eurem Herrn, einmal nicht. Ich, ich habe Freude an euch – und darum wagt es, freut euch über euch! Habe ich euch denn nicht schon reichlich beschenkt? Ein Kindergarten mit neuem Anbau ist euch gelungen. Mehr Kinder würden gern darin spielen, als ihr Plätze habt. Die lange renovierungsbedürftige Kirche glänzt mit neuem Dach, demnächst neuer Fassade. Achte nicht gering, dass dein Kirchenvorstand nicht nur verwaltet, sondern Neues denken und wagen kann. Hast du vergessen, wie deine Zahl stetig wächst? Welche andere Gemeinde hätte den Mut und die Beharrlichkeit gehabt, eine Kirche wie Philippus wieder öffnen zu lassen? Öffne deine Augen und kneife sie einmal nicht nur vor Zorn oder Enttäuschung zu: Dein Stadtteil wächst. Ich pflanze Menschen mit Kreativität, Geschäftssinn, Neugierde und bunten Herkunftsländern um deinen Turm. Wie lange war dort Weggang, Leere, Verfall. Nun wird gebaut, lackiert, bewirtet, gefeiert, musiziert. Und dies ist verheißen, dass viele an deinem Tisch zu Gast sein werden. Gieße und dünge, was ich für euch gesät habe. Was soll dich ängstigen? Besitzstandsdenken nicht, Angst vor Veränderungen nicht. Der Himmel kennt keine Flurstückgrenzen. Steckt eure Pflöcke nicht zu eng, spannt eure Seile weit!«

Ich lade Sie ein: Nehmen Sie sich Papier und Stift und gönnen Sie sich das Vergnügen, Ihrer Kirchgemeinde Ihren Liebesbrief zu schreiben.
Kirche gehört in unsere Stadtteile und jeder, der sich dazugehörig fühlt, ist das Gesicht der Kirche. Uns wird von Außenstehenden gesagt, ihr seid ein wichtiger Teil des gesellschaftlichen Lebens. Von euch muss immer eine Leidenschaft für Frieden, Toleranz und Nächstenliebe ausgehen. Wir brauchen euch in dieser unruhigen Zeit, in der sich stiller Hass in offener Aggression entlädt, Ablehnung in höhnische Verachtung verdreht und ungebremst jeden treffen kann. Euer Angebot kann zwischen verhärteten Positionen vermitteln, weil Kirche begriffen hat, dass Frieden, Toleranz und Nächstenliebe Leben erhält.

Deshalb werden wir von vielen Menschen in der Stadt ernst genommen. Wir laden Sie ein, weil die Kirche Sie braucht und viele in unserer Stadt erwarten, dass Kirche hörbar und offen ist. So hat christliche Gemeinde damals zu Pfingsten in Jerusalem angefangen.
Wir freuen uns auf Sie und Ihren Liebesbrief und nehmen ihn in jeder Sprache gern entgegen.
Ihr Pfarrer Martin Staemmler-Michael